Die Methodenzuordnung regelt in Zusammenwirken mit dem V-Modell den Einsatz von Methoden bei der Systemerstellung (SE) und den begleitenden Tätigkeiten für Qualitätssicherung (QS), Konfigurationsmanagement (KM) und technisches Projektmanagement (PM). Während das V-Modell das Was der Systementwicklung regelt, beantwortet die Methodenzuordnung die Frage nach dem Wie der Durchführung. Das heißt, während das V-Modell die Aktivitäten und Produkte der Systementwicklung festlegt, gibt die Methodenzuordnung an, welche Methoden bei der Durchführung der Aktivitäten einzusetzen sind. Die Methodenzuordnung unterstützt somit direkt die Ziele des V-Modells. Darüberhinaus trägt die Methodenzuordnung zur Erreichung folgender Ziele der Projektdurchführung bei:
Die Festlegung auf eine begrenzte Menge von Methoden erleichtert dem Projektmanagement die Auswahl. Damit entfällt eine aufwendige, immer wiederkehrende Bewertung und Selektion von Methoden. Die zukünftige Fortschreibung der Methodenzuordnung garantiert, daß die dort verzeichneten Methoden auf einem aktuellen Stand sind. Die Auswahl und der Einsatz von Werkzeugen wird durch die Festlegung der anzuwendenden Methoden unterstützt, die Investitionen in Werkzeuge werden geschützt. Der Ausbildungs- und Einarbeitungsaufwand wird kalkulierbar. Methodenabhängige Zwischenprodukte, die bei der Systementwicklung entstehen, werden vergleichbar und bewertbar. Ebenso werden methodenabhängige Dokumente aus QS, KM und PM vergleichbar und bewertbar.
Die Methodenzuordnung regelt den Einsatz von Methoden in allgemeingültiger Weise. Um diese Allgemeingültigkeit zu erreichen, beschränken sich die Festlegungen der Methodenzuordnung auf elementare Methoden. Solche elementare Methoden finden sich in der Regel in unterschiedlichen Ausprägungen in den einzelnen kommerziell propagierten sogenannten komplexen Methoden wieder, die ihrerseits eine wohldefinierte Kombination mehrerer elementarer Methoden sind (siehe auch Abschnitt 2.1 ). Abbildung 1.1 zeigt beispielhaft eine Zuordnung der komplexen Methoden SA (Strukturierte Analyse) und IEM (Information Engineering Method) zu einigen Elementarmethoden.
Abbildung 1.1: Beispiel "komplexe Methoden" - "elementare Methoden"
Die Beschränkung auf die Ebene der elementaren Methoden gewährleistet, daß die Methodenzuordnung keine Entscheidungen präjudiziert, die allein auf technische Randbedingungen (wie z. B. Funktionalität bestimmter Werkzeuge) zurückzuführen sind.
Damit wird zusätzlich garantiert, daß jede in der Methodenzuordnung referenzierte Methode in allgemein zugänglicher Fachliteratur detailliert beschrieben bzw. spezifiziert wird.
Bei der Auswahl der Methoden wurde nach den folgenden Prinzipien vorgegangen:
Basis für die Anwendung von Methoden der Methodenzuordnung sind die Aktivitäten des V-Modells und die dort erzeugten Produkte.
Die Methodenzuordnung gibt in Zuordnungstabellen diejenigen elementaren Methoden an, die nach heutigem Stand der Technik am besten geeignet sind, unter Beachtung der Kriterien
bestimmte Aktivitäten durchzuführen bzw. Produkte zu erzeugen.
Bei der Durchführung einer bestimmten Aktivität des V-Modells bzw. beim Erzeugen eines Produkts des V-Modells sind die zugeordneten Elementarmethoden anzuwenden, es sei denn,
In den Tabellen werden nur einem Teil der V-Modell-Aktivitäten/-Produkte Elementarmethoden zugeordnet. Das bedeutet, daß im konkreten Einzelfall (z. B. projektspezifisch) entschieden werden kann, ob über die im Standard vorgegebenen Methoden hinaus noch weitere zum Einsatz kommen sollen.
Insgesamt müssen im Einzelfall alle Entscheidungen, die von den Vorgaben der Methodenzuordnung abweichen (Verzicht, Abwandlung, Ergänzung) prüfungsfähig aktenkundig gemacht werden. Die Abweichung muß dabei nachweislich den qualitativen Anforderungen der Einsatzsituation (z. B. des Projekts) gerecht werden. Insbesondere bei Methodenergebnissen, die Bestandteil der Entscheidungsdokumentation sind, ist restriktiv zu verfahren.
Für jede in den Zuordnungstabellen referenzierte Methode wird in Abschnitt 4 der Methodenzuordnung beschrieben, welche Eigenschaften eine eingesetzte Methode aufweisen muß, um "standardkonform" zu sein. Da in der Regel nicht die Elementarmethode selbst, sondern eine "komplexe" Methode zum Einsatz kommen wird, ist der Standard somit die Meßlatte dafür, ob die einzusetzenden, meist komplexen Methoden brauchbar sind.
Die Bewertung der Standardkonformität erfolgt dabei in folgenden Schritten:
Identifikation, welche Komponente der angebotenen komplexen Methode der
geforderten Elementarmethode entsprechen soll (die Gleichheit von Namen ist
hierbei zwar manchmal hilfreich, oft aber auch irreführend!).
Prüfung, inwieweit die entsprechende Komponente die in
Abschnitt
4 der Methodenzuordnung dargestellten Charakteristika aufweist.
Hierbei ist zu beachten, daß die Funktionalität der in der Praxis
benutzten Methoden in der Regel über die Forderungen der Methodenzuordnung
hinausgeht. Prüfung, ob der geplante Methodeneinsatz alle Anforderungen
der Zuordnungstabellen erfüllt.
Viele Elementarmethoden werden in den Zuordnungstabellen an unterschiedlichen
Stellen referenziert, müssen also mehrfach angewendet werden. Dies
muß beim Einsatz komplexer Methoden berücksichtigt werden.
Die Standardkonformität der komplexen Methoden, die in einem homogenen Anwendungsspektrum 1) eingesetzt werden sollen, ist bei der Festschreibung zu klären. Soweit eine solche Methode in der Anlage 2 zur Methodenzuordnung berücksichtigt ist, sind hierfür keine weiteren Aktivitäten erforderlich. Andernfalls ist der Nachweis von demjenigen zu führen, der den Einsatz der entsprechenden Methode vorschlägt/vorschreibt.
Die Methodenzuordnung ist keine Arbeitsanleitung für den einzelnen Projektmitarbeiter, sondern eine Arbeitsgrundlage für die im Rahmen der Operationalisierung zu treffenden konkreten Festlegungen des jeweils hierfür zuständigen Personenkreises (siehe Abschnitt 1.4 ).
Die konkrete Festlegung über Art und Umfang der anzuwendenden Methoden erfolgt in zwei Schritten jeweils für ein homogenes Anwendungsspektrum:
Die Anlagen zur Methodenzuordnung beinhalten: